Klimaanlage im Pflegeheim: verboten, Pflicht oder sinnvoll?
Weder verboten noch vorgeschrieben: was in Deutschland gilt, was eine große Studie aus Kanada zeigt und wie Hygiene, Zugluft und Wartung gelöst werden.
Pflege & Einrichtungen
Die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 staffelt die Pflichten des Arbeitgebers nach Raumtemperatur. Was jeweils gilt – und was das für Pflege, Arztpraxis und Büro bedeutet.
Kurz gesagt: Die Lufttemperatur in Arbeitsräumen soll 26 °C nicht überschreiten. Wird es bei hohen Außentemperaturen wärmer, sollen Arbeitgeber zusätzliche Maßnahmen ergreifen. Ab 30 °C müssen sie wirksame Maßnahmen umsetzen, wobei technische und organisatorische Maßnahmen Vorrang vor persönlichen haben. Über 35 °C ist ein Raum ohne besondere Schutzmaßnahmen nicht als Arbeitsraum geeignet. Eine Klimaanlage ist nicht vorgeschrieben, aber eine der wirksamsten technischen Maßnahmen.
Die Arbeitsstättenverordnung verlangt in Anhang 3.5, dass Arbeitsräume während der Nutzungsdauer eine „gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur“ haben und Fenster, Oberlichter und Glaswände eine Abschirmung gegen übermäßige Sonneneinstrahlung ermöglichen. Wie das konkret aussieht, beschreibt die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.5 „Raumtemperatur“. Hält sich ein Arbeitgeber an die ASR, kann er davon ausgehen, die Anforderungen der Verordnung zu erfüllen.
| Lufttemperatur im Raum | Was gilt | Beispiele |
|---|---|---|
| bis 26 °C | Zielwert: Die Lufttemperatur soll 26 °C nicht überschreiten; Sonnenschutz muss vorhanden sein. | außenliegende Verschattung |
| über 26 °C | Bei Außentemperaturen über 26 °C sollen zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden. | Sonnenschutz konsequent steuern, früh und nachts lüften, Wärmequellen reduzieren, Gleitzeit, Kleiderordnung lockern, Getränke bereitstellen |
| über 30 °C | Arbeitgeber müssen wirksame Maßnahmen nach der Gefährdungsbeurteilung ergreifen. Technische und organisatorische Maßnahmen gehen vor persönlichen. | Kühlung, Arbeitszeiten verlagern, Entwärmungspausen, geeignete Getränke |
| über 35 °C | Ohne besondere technische, organisatorische oder persönliche Schutzmaßnahmen ist der Raum für diese Zeit nicht als Arbeitsraum geeignet. | Luftduschen, Entwärmungsphasen, Schutzkleidung wie bei Hitzearbeit |
Pflege ist körperliche Arbeit, oft mit Schutzkleidung, die zusätzlich wärmt. In Bewohnerzimmern, Fluren und Stationszimmern wird es im Sommer schnell über 30 °C. Die Empfehlung des Qualitätsausschusses Pflege sieht deshalb ausdrücklich vor, dass der Hitzeschutzplan auch die Mitarbeitenden schützt. In der HISTA-Befragung von 277 Einrichtungen gaben 60 % an, Beschäftigten kühle Räume wie einen Pausenraum anzubieten; knapp die Hälfte dieser Räume wird mit Klimaanlagen gekühlt.
Sinnvolle Schritte:
Die gleichen Stufen gelten in jeder Arbeitsstätte – in der Arztpraxis, im Büro oder in der Kita. Häufig ist das Problem ein einzelner Raum: das Sprechzimmer nach Süden, das Büro unterm Dach, der Gruppenraum mit großer Fensterfront. Hier lässt sich gezielt nachrüsten. Ein Klimagerät ohne Außengerät braucht zwei Kernbohrungen in der Außenwand und kein Außengerät – praktisch in Mietflächen, Altbauten und Gebäuden, an deren Fassade nichts montiert werden darf.
Nein. Die ASR A3.5 begründet keinen automatischen Anspruch, die Arbeit einzustellen. Sie verpflichtet den Arbeitgeber, Maßnahmen zu ergreifen. Welche Maßnahmen er wählt, liegt in seiner Verantwortung – entscheidend ist, dass sie wirken.
Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist der Wortlaut der ASR A3.5 in der jeweils geltenden Fassung.
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Stand: Oktober 2026. Angaben zu Förderprogrammen und Vorschriften ohne Gewähr – maßgeblich sind die jeweiligen Originaltexte.
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